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Der Youtube-Algorithmus spülte mir kürzlich den Titel „Badlands“ in die Time Line. Mit dem hatte Bruce Springsteen 1988 sein erstes Konzert im Ostblock eröffnet. Warum das für mich so besonders war, habe ich im vorigen Blog erklärt. Jedes Mal, wenn ich den Titel höre, kehrt ein wenig der Begeisterung von damals zurück.
Leise mitsingend blieb ich diesmal an einer Zeile hängen:
Poor man wanna be rich, rich man wanna be king, and a king ain’t satisfied‚ ´til he rules everything.
Armer Mann will reich sein, reicher Mann will König sein. Und der König ist erst zufrieden, wenn er alles beherrscht.
Das, wovon der Boss da singt, kenne ich. Schon lange. Und es scheint, gerade wieder Konjunktur zu haben.
Ich wuchs in der DDR auf. Die Grenzen nach Westen waren geschlossen, die Macht der Politik hingegen grenzenlos. Unsere Lebensgefühle waren Machtlosigkeit gegen die Obrigkeit und „Leistung lohnt sich nicht“. Was man dachte, behielt man für sich. Offenen Austausch gabs nur mit Freunden. Man nahm, was man kriegen konnte, nicht was man brauchte. Zukunft fand im Westfernsehen statt. International tobte der Krieg: gut gegen böse. Böse war immer der auf der anderen Seite der Mauer.
Heute gibt es keine Mauern mehr. Aber es gibt Menschen, die auf Kosten anderer leben, die nehmen. Putin zum Beispiel – er nimmt die Ukraine. Trump – nimmt Venezuela, den Iran und bald Cuba. Netanjahu – nimmt den Libanon und Palästina. Die EU – kann nicht nehmen, hofft aber auf ein Stück des Kuchens. Musk – nimmt das Weltall. Google – nimmt das Internet. Amazon – nimmt den Handel. Merz macht es anders, aber nicht besser: Er gibt – dem Volk eine Billion Schulden. Selenski gibt auch – Sprengstoff an fremde Pipelines. The list goes on. And on. And on. Man wähnt sich im Mittelalter, nicht in der Moderne.
Ich frage mich, wer all diese Könige beauftragt? Handeln sie im eigenen, oder im Namen irgendeiner Demokratie? Handeln sie im Namen des Volkes, von Aktionären, Kunden oder Wählern? In meinem Namen jedenfalls nicht. Im Gegenteil, ich fühle mich ohnmächtig in Anbetracht dessen, was die „Kings“ grad tun, um zufrieden zu sein.
Die Parallele zur DDR ist nicht zu übersehen. Mit einem Unterschied: Damals fanden wir in der Aussichtslosigkeit des Heute eine seltsame Leichtigkeit, eine Energie, eine Ahnung, dass es besser werden kann. Vielleicht entsprang sie unserer Jugend. Vielleicht aber auch dem Wissen, dass alles Schlechte irgendwann endet. 1988 jedenfalls sang Springsteen vor 300.000 fröhlichen Menschen, in einem Land, in dem die Könige Betonköpfe waren und tatsächlich alles beherrschten. Nur ein Jahr später hatte die Leichtigkeit gesiegt. Die Kommunisten-Kings waren Geschichte.
Heute herrscht in den westlichen Ländern eine Demokratie, in der kaum noch jemand die Herrschaft des Volkes, des ganzen Volkes erkennt. Aber wir können das ändern. In Griechenland, dort wo die Demokratie entstand, sagt man: Ho dēmos kratei! Das Volk herrscht. Vielleicht kehren wir wieder dahin zurück. Mit Leichtigkeit. Und Energie.
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