Wenn Schweigen billiger wird als Reden. – Das Dritte Drittel

Wenn Schweigen billiger wird als Reden.

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Richard David Precht auf der Bühne

Gestern Abend im Stadtcasino Basel, Richard David Precht steht allein auf der Bühne. Seit seinem Bestseller „Wer bin ich und wenn ja, wieviele?“, bin ich sein Fan. Und einer der Philosophie. Er und ich sind im gleichen Alter, was die Ähnlichkeit unserer Weltsicht begründen könnte.

Die Kernbotschaft seines Vortrags und eines kürzlich veröffentlichten Essays: Mehr als die Hälfte der Deutschen glaubt, man müsse mit seiner Meinung vorsichtig sein. Nur 40 Prozent halten die Meinungsfreiheit für nicht eingeschränkt. 

Verlässt eine Äußerung den „Meinungskorridor“, entstehen oft hohe soziale Kosten. Irgendjemand könnte sich gekränkt fühlen, als Person oder als Vertreter von irgendwem. Derjenige mit der falschen Meinung riskiert einen Shitstorm. Die individuelle Empfindlichkeit erreicht täglich neue Höhen und bildet damit die Kehrseite einer eigentlich positiven gesellschaftlichen Entwicklung. Mehr Sensibilität und Individualität sind per se nämlich gut.

Zugegeben, über Meinungsfreiheit in Deutschland habe ich bisher kaum nachgedacht. Alles, was ich dort seit 1990 erlebte, ist besser als das, was man in der DDR darunter verstand. Damals wusste jedes Kind, was es sagen durfte. Und was nicht. Man bekam das mit der Muttermilch sozusagen. Seit der Wende war das Thema für mich also keines.

Precht ordnet die angewendeten Instrumente und Methoden zur Einschränkung von Meinungsfreiheit dem linken politischen Spektrum zu. Und er erklärt, warum er sie für falsch hält: Wegen des europaweiten Rechtsrucks befürchtet er, dass wir in absehbarer Zeit erleben werden, wie die rechte Seite die neu geschaffenen Möglichkeiten nutzt. Sobald sie am Ruder ist.

Eine Veranstaltung zum Nachdenken. Und ich bin ehrlich gesagt noch nicht fertig damit.

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