Texte – Das Dritte Drittel

19.07.1988 – Teil 1

Morgens 10:30 hatte ich die letzte Prüfung meines Studiums in Magdeburg bestanden. Ich war Ingenieur. Erleichterung all over: Darüber, dass die Anstrengung des Lernens fürs Erste vorüber war. Normalerweise hätte man in dem Moment Freude über das Erreichte erwartet. Tatsächlich war ich voll davon, bis zum Rand. Aber im Zentrum des Glücks stand nicht das … Weiterlesen …

Wenn Schweigen billiger wird als Reden.

Gestern Abend im Stadtcasino Basel, Richard David Precht steht allein auf der Bühne. Seit seinem Bestseller „Wer bin ich und wenn ja, wieviele?“, bin ich sein Fan. Und einer der Philosophie. Er und ich sind im gleichen Alter, was die Ähnlichkeit unserer Weltsicht begründen könnte. Die Kernbotschaft seines Vortrags und eines kürzlich veröffentlichten Essays: Mehr … Weiterlesen …

Altwerden ist nichts für Feiglinge

03:30, ein ziehender Schmerz im linken Fuß. Ein Gedanke drängt sich zwischen den Schlaf und mich: Gicht. Wieder mal. Leider weiß ich nur zu genau, was das bedeutet: tagelanges Kühlen und entzündungshemmende Medikamente. Solche Anfälle kommen ohne Ankündigung, sie rauben mir die Laune und ziehen mich runter. Dabei hatte ich mich so auf das lange … Weiterlesen …

Blyyb verschpiilt

Keine Sorge, die Überschrift ist kein Geheimcode, kein vogonischer Befehl zur Sprengung der Erde. Es ist das Motto der diesjährigen Basler Fasnacht und bedeutet „bleib verspielt“. Der Untertitel dazu: «Mir tiggen us» – wir ticken aus. Heute Morgen explodierte Basels Innenstadt mal wieder. Nicht mit einem Knall, aber laut war es schon. 11.500 Aktive und … Weiterlesen …

Seneca und die Bialetti

Eine „Bialetti Moka Express“ ist das Italienischste, das man als Fan des Stiefellandes sein eigen nennen kann. Wenn sie leise schnorchelnd den Raum mit Kaffeeduft füllt, wirkt sie wie ein Relikt aus alten Zeiten. Kaffee per Hand mahlen, Espresso in der Bialetti kochen … all das dauert viel zu lange, für das Tempo unserer Zeit. … Weiterlesen …

Wirksam werden.

1981, mein erstes Lehrjahr, Baustelle Uniklinik Erfurt. Ich musste zwei Wände mauern, zum ersten Mal mit Mörtel. Solange der weich ist, kann man korrigieren. Nach dem Abbinden ist es aus, dann steht, was steht. Also muss man genau sein. Das gefällt mir. 36 Jahre später bin ich wieder in der Klinik. Ich hatte meinen todkranken … Weiterlesen …

Valentinstag

Nicole und ich schenken uns nichts. Manch einer denkt sicher, dass wir komplett unromantisch sind. Die Wahrheit ist, Liebe hat im dritten Drittel eine andere Währung als Rosen und Pralinen. Liebe ist der Espresso, den ich morgens mahle, während sie noch schläft. Liebe ist gemeinsames Schweigen, das kein unbehagliches ist. Es ist der Satz »Ich … Weiterlesen …

86.400 – Ein Gedankenexperiment

86.400 Sekunden hat ein Tag. Nicht mehr, nicht weniger. Für jeden Menschen auf der Welt, egal ob König oder Bettler, egal ob gesund oder krank. Stell dir vor, jemand überweist dir jeden Morgen 86.400 Euro. Mit einer Bedingung: Du kannst nichts davon sparen. Was du bis Mitternacht nicht ausgegeben hast, verfällt. Morgen gibt es wieder … Weiterlesen …

Womit man zufrieden ist

Zufriedenheit ist ein unterschätztes Wort. Es klingt nach Resignation, nach »es reicht«, nach dem Ende des Strebens. Das ist falsch. Zufriedenheit – echte, innere Zufriedenheit – ist das Gegenteil von Gleichgültigkeit. Es ist das Wissen, dass das, was man hat, das ist, was man braucht. Nicht das, was man haben könnte, haben sollte, haben müsste. … Weiterlesen …

Bucket List

Was willst du noch tun, bevor du stirbst? Diese Frage klingt morbide. Sie ist es nicht. Sie ist die ehrlichste Frage, die man sich stellen kann. Denn sie zwingt zur Priorität. Sie lässt das Unwichtige fallen und fragt nach dem Kern. Ich habe meine Bucket List nie aufgeschrieben. Immer gedacht: das kommt noch, das hat … Weiterlesen …