Blyyb verschpiilt – Das Dritte Drittel

Blyyb verschpiilt

Getting your Trinity Audio player ready...

Keine Sorge, die Überschrift ist kein Geheimcode, kein vogonischer Befehl zur Sprengung der Erde. Es ist das Motto der diesjährigen Basler Fasnacht und bedeutet „bleib verspielt“. Der Untertitel dazu: «Mir tiggen us» – wir ticken aus.

Heute Morgen explodierte Basels Innenstadt mal wieder. Nicht mit einem Knall, aber laut war es schon. 11.500 Aktive und 200.000 Besucher harren zu nachtschlafender Zeit in abgedunkelten Straßen. Geredet wird nur mit gedämpfter Stimme. Viele tragen Trommeln (Drummle) und Piccoloflöten (Pfyffe). Schlag vier bricht etwas los, das Nichteingeweihte vermutlich ein absolutes Chaos nennen. Augenblicklich umfängt einen der Lärm unzähliger Musikinstrumente. Der Krach nimmt schnell Rhythmus auf und bringt die kalte Nachtluft zum S(ch)wingen. Eine Geräuschkulisse, die man unmöglich beschreiben kann, nur erleben. Gänsehaut.

Zur selben Zeit werden unzählige bemalte Laternen entzündet und funzeln eine mittelalterliche Stimmung in die alten Gassen. Die teils meterhohen Kunstwerke tragen die Sujets des Jahres als Kritik, Witz oder Weltschmerz – und manchmal alles zugleich. Der „Morgestraich“ ist die offizielle Eröffnung des Festes, das von da an 72 Stunden gefeiert wird. Eine Veranstaltung, die weltweit ihresgleichen sucht.

Es ist aber nicht nur Ausgelassenheit. Die Sujets der Fasnacht haben Biss – sie benennen, was ist: eine Welt, die zunehmend austickt. Und genau deshalb lautet die Antwort der Basler nicht Rückzug, sondern das Gegenteil: verspielt bleiben. Das ist keine naive Haltung, es ist eine ziemlich mutige.

Wie aber gelingt das? Wie bleibe ich neugierig, offen, freundlich – in einer Zeit, die das nicht gerade leichtmacht?

Die Basler nutzen dafür ihr Fest. Vielleicht braucht jeder seinen eigenen Morgestraich – den Moment, in dem man trotz allem in die Nacht hineinpfeift.

Gestern las ich: Gniesset d Fasnacht, drei Daag mitenand, vergässet s Gschrei. Und das tu ich jetzt auch.

Schreibe einen Kommentar