Bist du bescheuert? – Das Dritte Drittel

Bist du bescheuert?

Kennst du das? Morgens kurz nach dem Aufstehen fängt dein Gehirn an zu tuckern. Sofort schießen dir Gedanken durch den Kopf. Wen musst du anrufen? Ist der Banktermin vorbereitet, das Meeting am Nachmittag und das Geschäftsessen am Abend? Hoffentlich liefert die Druckerei die Prospekte pünktlich? Firma, Job, Verpflichtungen, …

Und am Ende: Ach ja, da war doch noch was. Was wollte deine Tochter gleich? Mist, vergessen. Und eigentlich solltest du wieder mal was mit deiner Frau unternehmen. Bei deinem vernachlässigten Kind rettet dich wie immer eine kreative Ausrede. Bei deiner besseren Hälfte der Konjunktiv. Solltest – ist nicht zwingend, kann also warten. Kaffee runter kippen, ab ins Büro.

Am Wochenende reißt du die Versäumnisse der Woche raus. Zuerst die Beruflichen, klar. Dann das Private. Deine Tochter steht nicht zur Verfügung, trifft sich mit ihren Freunden. Wiedergutmachungsversuch eins gescheitert. Deine Frau beschwert sich, dass du viel zu wenig Zeit für die Familie im Allgemeinen und für sie im Speziellen aufbringst. Sie hat ja recht, aber muss sie deshalb so ein Theater veranstalten?

Kommt dir die oben beschriebene Situation bekannt vor, gehörst du zur Mehrheit der arbeitenden deutschen Männer. Glückwunsch, du bist kein Außenseiter. Selbst wenn das wenig tröstlich klingt.

O.K. kleiner Hinweis. Du kannst doch rechnen. Von deinen 7.000€ Gehalt lebt ihr im Wesentlichen. Davon zahlst du 1.500 € für dieses sündhaft teure Küchenteil und 600 € fürs Cabrio. Das bedeutet, dass rund 30% deines Einkommens für diese zwei Entschädigungsgoodies drauf gehen. Hättest du sie nicht gebraucht, um dir Arbeitszeit zu erkaufen, brauchtest du theoretisch fast 1/3 weniger zu schuften. Und wie du leicht bemerken wirst, bliebe die gesparte Zeit für anderes übrig.

Ich verspreche dir, 21 Stunden wollen die beiden gar nicht. Nicht mal den Mini, den Mac oder die Küche brauchen sie. Was sie sich wirklich wünschen, bist DU. Denn dich lieben sie – noch.

Nur Theorie, sagst du? Und, wie bitte? Dein Job ist dir auch wichtig? Bist du bescheuert? Dann überleg dir doch selbst einen Ausweg aus der Falle. Schwierig, ich weiß. Vergiss einfach die Südseereise und den ganzen Scheiß! Verlass Frau und Kind und zieh richtig durch im Job. Erfolg und Kohle winken – und ein Dasein mit schlechtem Gewissen. Und ohne Familie, wahrscheinlich.

Oder – bleib und zeige, was du für sie empfindest, so, dass sie es bemerken. Dein Fehler liegt lange zurück, aber man kann fast alles korrigieren. Neue Stelle, Selbstständigkeit, dein Buch willst du seit ewigen Zeiten schreiben … Möglichkeiten gibt’s jede Menge. Nur ergreifen solltest du eine. Nicht Aussteigen ist das Ziel, sondern Einsteigen – in dein Leben, dein Selbstgewähltes, Selbstbestimmtes, und sobald du dich darin zurechtfindest, dein Geliebtes.

Danke fürs Zuhören, Jue

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